In Unternehmen: Übermäßige Identifikation führt zu Burnout bei den Leistungsträgern. Zumindest habe ich es in einigen Fällen beobachten können: Besonders bei Startups identifizieren sich die Mitarbeiter oft so sehr mit der Firma, dass von einer gesunden Work-Life-Balance keine Rede mehr sein kann.

Die charismatische Energie der Gründer überwindet interne und externe Widerstände. Eine gewisse Verrücktheit ist notwendig, um etwas Neues allen Widrigkeiten zum Trotz in die Welt zu setzen. Die eigene Begeisterung setzt neben Adrenalin auch Glückshormone frei.
Doch wenn dann eine gewisse Größe des Unternehmens erreicht ist, dann kommt eine andere Phase. Es geht nicht mehr darum, sich selbst zu immer größeren Leistungen aufzuputschen, sondern tragfähige Strukturen aufzubauen. Es geht nicht mehr darum, einen Gipfel zu erstürmen, sondern es liegen die Mühen der Ebene vor dem Unternehmen. Engpass-orientiertes Vorgehen bedeutet, dass man sich nun mit großer Liebe zum Detail um die kleinen Dinge kümmert, die man vorher großzügig übersehen hatte.
Leider fällt es dem Menschen schwer, Gewohnheiten abzulegen, die einem zum Erfolg gebracht haben. Jede Phase hat ihren eigenen Charme und ihre eigenen Herausforderungen. Aber es schmerzt, wenn die Anfangseuphorie nachlässt. Statt Genialität und Brachialgewalt im Durchsetzen revolutionärer Ideen ist in der Konsolidierungsphase Ausdauer und Augenmaß erforderlich. Zu viel Adrenalin ist da eher hinderlich.
Kennzeichen von Burnout

Erst wenn der Burnout-Patient buchstäblich am Boden liegt, dämmert die Einsicht, dass es so nicht weiter geht; dass man die eigenen Anforderungen und die Erwartungen anderer nicht mehr erfüllen kann. „Ich kann doch jetzt nicht Urlaub machen, in dieser so entscheidenden Phase in der Entwicklung meines Unternehmens.“ Und eine Grippe auszukurieren geht gar nicht.
Abwarten und Tee trinken: Viele erfreuliche und unerfreuliche Prozesse haben nicht nur eine Ursache und eine Wirkung. Die Welt ist so komplex, dass in vielen Situationen es besser ist, weniger zu tun.

Die Mitarbeiter des Kernkraftwerks waren die besten Fachleute ihrer Zunft. Sie missachteten Sicherheitsvorschriften nicht aus Unwissenheit oder Schlamperei, sondern weil sie besonders effizient sein wollten.
Unter Zeitdruck neigen wir dazu zu viel zu tun. Überdosierung ist besonders gefährlich bei zeitverzögerten Prozessen. Wenn man schon korrigiert, bevor eine Wirkung der ersten Handlung sichtbar wird, hebt man oft die positiven Wirkungen der ersten Handlung wieder auf. Oder man verstärkt die negativen Wirkung.
Gewohnheiten, die Burnout fördern
Wenn eine Unternehmen auf Dauer erfolgreich sein will, muss es vom Sprint zum Dauerlauf umschalten. Dem stehen vor allen (wie oben erwähnt) Gewohnheiten im Wege. Nur die auf den aktuellen Engpass ausgerichtete Energie hilft. „Weiter so“ hilft nicht, wenn sich der Engpass geändert hat.
Was uns in der Vergangenheit Erfolg gebracht hat, wirkt heute kontraproduktiv, wenn sich der Engpass geändert hat. Statt sich mehr anzustrengen und mit Volldampf weiterhin einen Faktor zu optimieren, der nicht mehr der Engpass ist, sollte man den aktuellen Engpass analysieren.
Viele Erfolgsmethoden und Systeme sind auf den Engpass von gestern eingestellt. Wenn aber zu viel Energie auf die Lösung eines nachrangigen Problems gerichtet wird, dann verschärft es die begrenzende Wirkung des neuen Engpasses. Genaue Analyse des aktuellen Engpasses ist deshalb erforderlich, um die Konzentration der Kräfte auf den aktuell wirkungsvollsten Punkt zu ermöglichen. Der Engpass ändert sich oft sehr schnell. War er gestern noch hier, dann kann er heute schon dort sein. Das erfordert Flexibilität und die ist für ein entspanntes Gehirn leichter zu bewerkstelligen als ein durch zu viel Adrenalin gedoptes.
Aber auch eine falsche Identifikation zerstört den Flow: Eine Organisation ist ein Hilfsmittel, kein Selbstzweck. Die Nazis hatten mit der Device „Du bist nichts, Dein Volk ist alles“ zu einer Überidentifikation mit dem Kollektiv „Volk“ aufgefordert. Der anfänglichen Euphorie bei vielen folgte dann spätestens 1945 der große Katzenjammer. Nationalismus ist ein Zuviel an Identifikation. Nichts spricht dagegen, den eigenen Verein toll zu finden. Gefährlich wird es, wenn man die Liebe zum eigenen Kollektiv so sehr übertreibt, dass man die anderen hasst.
Auf die Dosis kommt es an
Heute identifizieren sich viele zu stark mit dem eigenen Unternehmen. Auch hier kann man beobachten, dass der anfänglichen Euphorie dann nach einigen Jahren der Kater in Form von Burnout folgt. Auch von Linken wird gefordert „vom Ich zum Wir“ zu kommen. Weg vom Egoismus, hin zu Solidarität. Auch hier wäre es besser, keine künstlichen Gegensätze aufzubauen: Solidarität und Individualismus sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Jede Übertreibung in die eine oder die andere Richtung führt dazu, dass man den Kontakt zum eigenen Wesenskern verliert.
Nur wenn man im Kontakt mit dem eigenen Wesenskern, seiner eigenen Kraftquelle ist, kann man auf Dauer kreativ sein. Dann bleibt man ausbalanciert zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen von außen.
Mit zunehmender Reife wird die schon im alten Griechenland aufgestellte Forderung „Erkenne Dich selbst“ immer wichtiger für die eigene Entwicklung. Anfangs identifiziert man sich mit dem Körper. Später mit der Psyche. Spätestens seit Freud ist uns bewusst, dass wir nicht automatisch Herr im eigenen Haus sind. In der Psyche sind sehr unterschiedliche Kräfte am wirken und unsere Psyche ist deswegen auch von außen manipulierbar. C. G. Jung unterscheidet zwischen Ich und Selbst. Das Selbst oder der eigene Wesenskern ist mal mehr, mal weniger in Kontakt mit unserem Ich.
Wenn der Kontakt zwischen der innersten Instanz in uns selbst vorhanden ist, dann löst sich der Konflikt zwischen Egoismus und Nächstenliebe auf. Das bedeutet nicht, dass die Erwartungen der anderen immer erfüllt werden, aber man ist mit sich selbst im Reinen und „im Flow“. Das kann für andere irritierend sein, sie können dann viele unserer Entscheidungen nicht nachvollziehen. Manchmal erscheint dann eine Entscheidung sehr egoistisch, ein anderes Mal unvernünftig altruistisch. Doch auf die Dauer wird auch für andere spürbar, dass die Zusammenarbeit mit authentischen Menschen mehr Lebensfreude und Erfolg bringt als mit Menschen, die nicht im Kontakt mit ihrem eigenen Wesenskern sind.
Autoritärer Erziehungsstil fördert Überidentifikation
Weder Intelligenz noch Ethnie, Geschlecht, Einkommen, religiöse Einstellung oder Bildungsgrad konnten den typischen Trump-Wähler besser vorhersagen als der bevorzugte Erziehungsstil.
Sehr früh im amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampf 2015, als es darum ging, welcher Kandidat von den Republikanern ins Rennen für die vorletzte Präsidentschaftswahl geschickt werden soll, unterschieden sich die Anhänger von Trump sehr wenig von den Anhängern der anderen republikanischen Kandidaten. Zumindest in den üblichen Kategorien, die Wahlforscher berücksichtigen.
Matthew MacWilliams jedoch fragte zusätzlich nach dem Erziehungsstil der Wähler. Dafür benutzte er vier Fragen:
„Was ist für Sie bei der Erziehung von Kindern wichtiger?
1. Unabhängigkeit oder Respekt vor Erwachsenen?
2. Neugierde oder gute Manieren?
3. Selbstvertrauen oder Gehorsam?
4. Rücksichtsvoll sein oder gutes Benehmen?“
Der typische Trump-Anhänger wählte bei allen vier Fragen die zweite Variante.
Der Autor der Wählerbefragung hatte diese Fragen nicht zufällig in seinen Fragebogen aufgenommen. Mit diesen Fragen misst man das, was man seit Adorno in den 50er Jahren Autoritarismus nennt.
Die anderen Kandidaten der Republikaner unterschieden sich in ihren Ansichten zu politischen Fragen nicht wesentlich von den Ansichten von Trump. Aber sie traten bei weitem nicht so autoritär auf.
Stand Mai 2025 kann man im Fernsehen in verschiedenen Reportagen sehen, dass sich zwar mehr und mehr Wechselwähler wieder von Trump und den Republikanern abwenden, weil Trump die Wirtschaft gefährdet. Aber den harte Kern der Trump-Follower ficht das nicht an. Sie glauben an ihren messianischen Führer: Erst einmal muss die bittere Medizin geschluckt werden, dann wird Amerika wieder „great again“. Sie sind so sehr identifiziert mit Trump, dass sie Warnsignale nicht mehr wahrnehmen.
Ursachen und Mechanismen von Überidentifikation
Es ist weder möglich noch wünschenswert, dass man sich überhaupt nicht mit der eigenen Gruppe, mit dem eigenen Kollektiv identifiziert. Nur die über ein gewisses Maß hinausgehende Identifikation ist schädlich. Doch woran erkennt man, dass man sich mit etwas zu sehr identifiziert? Wenn es zur Abwertung von anderen kommt, dann kann man sicher sein, dass man sich zu sehr mit dem eigenen Kollektiv identifiziert.
- Rolle wird zur Identität
Mitarbeitende, die sich stark mit ihrem Unternehmen identifizieren, neigen dazu, ihre berufliche Rolle als zentralen Bestandteil ihrer Identität zu betrachten. Dies führt dazu, dass Erfolg oder Misserfolg bei der Arbeit ihr Selbstbild stark beeinflussen. - Unersetzlichkeitsgefühl
Überidentifikation kann das Gefühl erzeugen, unersetzlich zu sein, was zu einer dauerhaften Überlastung führt. Mitarbeitende fühlen sich verpflichtet, ständig verfügbar zu sein und ihre Grenzen zu überschreiten. - Physische und psychische Belastung
Dauerhafter Stress durch Überidentifikation kann Schlafprobleme, Erschöpfung und letztlich Burnout auslösen.
Prävention und Lösungsansätze für Burnout durch Überidentifikation
- Work-Life-Balance fördern
Arbeitgeber können klare Grenzen setzen, etwa durch Regeln zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit. Dies hilft Mitarbeitenden, sich emotional von ihrer Arbeit zu distanzieren. - Achtsamkeitstraining und Coaching
Individuelle Betreuung durch Coaches oder Achtsamkeitsprogramme kann helfen, Überidentifikation frühzeitig zu erkennen und Mitarbeitende dabei unterstützen, eine gesunde Distanz zur Arbeit aufzubauen. - Förderung von Diversität im Selbstbild
Mitarbeitende sollten ermutigt werden, Interessen außerhalb der Arbeit zu entwickeln und sich nicht ausschließlich über ihre berufliche Rolle zu definieren.
Fazit: Auf individueller als auch organisatorischer Ebene kann man Maßnahmen zu ergreifen, um die Risiken von Überidentifikation und Burnout zu minimieren.
Beobachten Sie, wenn Sie Warnhinweise Schlafstörungen oder Gereiztheit bei sich beobachten: Mache ich kreative Pausen? Lasse ich mich von anderen aufputschen oder manipulieren? Oft steckt der Wunsch nach Anerkennung hinter übertriebenen Leistungsstreben.
Bestimmte toxische Glaubenssätze entstehen schon in der Kindheit und sind fest im Feinstoffkörper verankert. Deshalb reicht eine Therapie, die nur auf der mentalen Ebene arbeitet nicht aus. Die destruktiven Glaubenssätze verschwinden in vielen Fällen erst dann, wenn die entsprechende Blockade im Feinstoffkörper aufgelöst wird: Siehe Feinstofftherapie.