Angst vor Abhängigkeit

Die Angst vor Abhängigkeit in einer Beziehung ist ein Aspekt von Bindungsangst. In diesem Artikel geht es um die Ursachen und um die Heilungschancen. Angst vor Nähe und Angst vor Abhängigkeit werden dem vermeidenden, unsicheren Bindungsstil zugeordnet. Diese Angst dient als Schutzmechanismus: Nähe und emotionale Abhängigkeit werden gemieden, weil sie als bedrohlich erlebt werden.

Angst vor Abhängigkeit in einer Beziehung In welcher Lebensphase ist ein Mensch im höchsten Grade abhängig von anderen Menschen? In den ersten zwei Lebensjahren. Während ein Fohlen sich schon am ersten Tag nach der Geburt auf den eigenen wackeligen Beinen halten kann, kann es das menschliche Baby erst gegen Ende des ersten Lebensjahrs.

Kein Säugetier hat eine so lange Phase außerhalb des Mutterleibs, in der es vollkommen von der Pflege und Fürsorge der Eltern abhängig ist, wie der Mensch. In dieser ersten Lebensphase ist der kleine Mensch vollkommen abhängig von den ersten Bezugspersonen und wird von ihnen sehr stark geprägt.

Was passiert aber, wenn die Eltern in diesem Lebensabschnitt nicht in der Lage sind, so für das Kind zu sorgen, wie es für die gesunde Entwicklung des Kindes notwendig ist? Wenn sie so mit eigenen Problemen beschäftigt sind, dass sie sich nicht um das Kind kümmern können? Dann kann das traumatische Folgen haben. Und das passiert häufiger, als man denkt: Zum Beispiel haben sehr viele Mütter nach der Geburt eine Depression, die oft von Familienangehörigen und Kinderärzten nicht richtig erkannt wird.

Als postnatale Depression (PND) bekannt, ist die Stimmung der Mutter bedrückt. Sie fühlt sich oft völlig überfordert von der Verantwortung und den veränderten Lebensumständen.

Ursachen für Angst vor Abhängigkeit in der frühen Kindheit

Eine postnatale Depression (PND) führt oft zu emotionalen Herausforderungen, die das Bindungsverhalten der Mutter beeinträchtigen können.

Eine postnatale Depression kann dazu führen, dass die Mutter sich emotional distanziert oder überfordert fühlt. Sie ist weniger in der Lage, auf die Bedürfnisse ihres Säuglings einzugehen. Ihre Sensibilität gegenüber den Signalen des Kindes ist reduziert, was sich negativ auf die Entwicklung einer sicheren Bindung auswirkt. Der Säugling erhält nicht genügend Aufmerksamkeit oder Zuwendung,  seine emotionale Sicherheit und sein Wohlbefinden werden beeinträchtigt.

Darüber hinaus können Symptome wie Traurigkeit, Angst oder Erschöpfung bei der Mutter dazu führen, dass sie weniger aktiv am Spiel oder an der Interaktion mit ihrem Kind teilnimmt. Diese fehlende Interaktion ist für den Säugling frustrierend. Sie beeinflusst seine sozialen Fähigkeiten sowie seine emotionale Entwicklung negativ.

Eine postnatale Depression betrifft nicht nur die Mutter; sie hat auch Auswirkungen auf andere Familienmitglieder und das gesamte familiäre Umfeld. Ein gestörtes Verhältnis zwischen Mutter und Kind kann langfristige Folgen für das Kind haben, einschließlich eines erhöhten Risikos für Entwicklungsstörungen und emotionale Probleme im späteren Leben.

In dem Still-Face-Experiment wurde aufgezeigt, wie stark das Baby auf das Lächeln und die Zuwendung der Mutter angewiesen ist. Wenn die Mutter depressiv ist, ist sie nicht genügend präsent, sie kann nicht so auf das Baby reagieren, wie es das Baby braucht. Es bemüht sich, die Aufmerksamkeit der Mutter auf sich zu ziehen. Wenn ihm das nicht gelingt, ist es verzweifelt und gibt schließlich auf. Feinstofflich gesehen, bleibt ein Teil von ihm in der Baby-Phase hängen. Das macht es sich dann im späteren Leben bemerkbar: Entweder als übermäßiges Klammern oder als übermäßiges Vermeiden von Situationen, in denen man in eine Abhängigkeit geraten könnte.

Die Angst vor emotionaler Abhängigkeit nach einer Trennung

Angst vor Abhängigkeit nach Trennung Angst vor Abhängigkeit zeigt sich nach dem Ende einer Beziehung als Furcht, erneut verletzt zu werden oder die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Oftmals sind es tief verwurzelte Muster aus früheren Beziehungen, die uns an die vergangene Partnerschaft binden. Diese Muster können uns daran hindern, neue Wege zu gehen und gesunde Bindungen zu entwickeln.

Es kann sinnvoll sein herauszufinden, was genau die Angst vor Abhängigkeit auslöst. Sind es die schönen Erinnerungen, die man vermisst? Oder schreckliche Erlebnisse, die sich auf keinen Fall wiederholen sollen?

Situationen, die Angst vor Abhängigkeit auslösen können:

  • Finanzielle Abhängigkeit: Wenn eine Person finanziell stark von ihrem Partner abhängig ist und das Gefühl hat, ohne diese Unterstützung nicht zurechtzukommen.
  • Emotionale Abhängigkeit: Das Gefühl, emotional auf den Partner angewiesen zu sein und ohne ihn nicht glücklich oder zufrieden sein zu können.
  • Kontrollverhalten: Wenn ein Partner versucht, den anderen zu kontrollieren oder zu dominieren, was das Gefühl der Unabhängigkeit einschränkt.
  • Verlust der eigenen Identität: Wenn jemand das Gefühl hat, seine eigene Identität oder Interessen zugunsten der Beziehung aufzugeben.
  • Angst vor Verlassen-werden: Die ständige Angst, dass der Partner die Beziehung beenden könnte, was zu einem Gefühl der Unsicherheit und Abhängigkeit führt.
  • Mangel an Selbstvertrauen: Wenn jemand wenig Selbstvertrauen hat und sich stark auf die Bestätigung und Unterstützung des Partners verlässt.
  • Eifersucht und Misstrauen: Wenn Eifersucht und Misstrauen in der Beziehung vorherrschen, kann dies das Gefühl der Abhängigkeit und Unsicherheit verstärken.

Angst vor Abhängigkeit und Angst vor Nähe

Angst vor Abhängigkeit und Angst vor Nähe treten oft gemeinsam auf:
Die Angst vor Abhängigkeit, die Befürchtung, emotional oder praktisch von einem anderen Menschen abhängig zu werden, kann entstehen,

  • wenn jemand befürchtet, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren
  • oder die eigene Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu gefährden.

In extremen Fällen kann diese Angst dazu führen, dass eine Person sich zurückzieht, um nicht in eine Abhängigkeitsdynamik zu geraten – sei es in einer Beziehung oder in anderen Bereichen des Lebens.

Menschen mit dieser Angst möchten oft sicherstellen, dass sie ihre Unabhängigkeit bewahren können und nicht das Gefühl haben, auf den anderen angewiesen zu sein. Sie könnten sich zum Beispiel vor langfristigen Verpflichtungen oder vor zu intensiven emotionalen Bindungen scheuen.

Die Angst vor Nähe dagegen ist die Furcht, sich zu sehr auf einen anderen Menschen einzulassen, was zu einer emotionalen Nähe führen könnte. Diese Angst entsteht häufig aus der Sorge, verwundbar zu werden, verletzt zu werden oder den eigenen emotionalen Raum zu verlieren. Menschen, die Angst vor Nähe haben, vermeiden oft tiefere Bindungen, weil sie sich von der Idee überfordert fühlen, sich jemandem vollständig anzuvertrauen oder eine intensive emotionale Verbindung einzugehen.

Die beiden Ängste – Angst vor Abhängigkeit und Angst vor Nähe – können sich oft überschneiden, aber sie sind nicht dasselbe. Sie haben oft ähnliche Auswirkungen auf Beziehungen, da sie beide dazu führen können, dass jemand emotional distanziert oder zurückhaltend ist.

Angst vor Abhängigkeit in einer Beziehung führt oft dazu, dass jemand sich nicht in eine Beziehung einlassen möchte, weil er oder sie die Kontrolle verlieren und sich von der anderen Person abhängig machen könnte.
Angst vor Nähe kann dazu führen, dass jemand versucht, emotionale Nähe und Intimität zu vermeiden, weil er oder sie befürchtet, durch eine zu enge Bindung verwundbar zu werden.

Ein entscheidender Unterschied liegt in der Motivation hinter der Angst:
– Bei der Angst vor Abhängigkeit geht es hauptsächlich um die Furcht, die eigene Unabhängigkeit oder Selbstständigkeit zu verlieren.
– Bei der Angst vor Nähe geht es mehr um die Angst vor Verletzlichkeit und emotionalem Schmerz, der durch zu viel Nähe entstehen könnte.
Die beiden Ängste können sich gegenseitig verstärken.  Die eine möchte nicht die Kontrolle verlieren (Angst vor Abhängigkeit), die andere möchte sich nicht verletzlich zeigen (Angst vor Nähe). In vielen Fällen treten sie jedoch gemeinsam auf und können die Fähigkeit einer Person, gesunde, intime Beziehungen zu führen, erheblich erschweren.

Therapie für Angst vor Abhängigkeit

Wenn man erlebt, dass man als Erwachsener in einer Beziehung abhängig ist vom Partner, dann ist das beunruhigend. Nicht immer liegt es daran, dass man in eine toxische Beziehung geraten ist. Wenn der Partner einen klein macht, keine Chance auf eine Beziehung auf Augenhöhe besteht, dann ist eine Trennung oft besser als sich zu verbiegen. Doch die Angst vor Abhängigkeit hat ihre Ursache oft in der Vergangenheit, lange bevor die jetzige Beziehung begann.

Übermäßige Angst ist meist die Folge von einer feinstofflichen Verletzung. Ein Schock führt zu einer Veränderung im Feinstoffkörper. Ein Erlebnis, dass zu stark war, konnte damals nicht verarbeitet werden. Doch die Selbstheilungskräfte des Feinstoffkörpers sorgen dafür, dass immer neue Situationen entstehen, die der ursprünglichen, traumatisierenden Situation ähneln. So bekommen wir immer wieder auf´s neue die Chance, die ängstigenden Erlebnisse zu verarbeiten.

Gefühle wie Angst erinnern uns an die feinstoffliche Verletzung. Und ob wir es wollen oder nicht: Der Selbstheilungsprozess ist bereits im Gange. Schon lange, bevor man eine Therapie beginnt, sorgt der Leidensdruck dafür, dass man die Aufmerksamkeit den unangenehmen Gefühlen zuwendet.

Unter günstigen Bedingungen sorgen die Selbstheilungskräfte dafür, dass traumatische Erfahrungen nach einiger Zeit „von allein“ verarbeitet werden. Doch manchmal sind die Bedingungen nicht so günstig. Dann ist es die Aufgabe eines Therapeuten die Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Gerade bei lange zurückliegenden feinstofflichen Verletzungen hat sich die Feinstofftherapie bewährt. Sie kann auch dann helfen, wenn man sich an das ursprüngliche Trauma nicht erinnern kann.

Wenn das verletzende Ereignis bei der Geburt oder in den ersten Jahren danach passiert ist, dann haben die wenigsten Menschen eine Erinnerung daran. Trotzdem kann eine Feinstofftherapie die feinstofflichen Verletzungen aufdecken, denn alles, was wirksam ist, ist hier und jetzt im Feinstoffkörper als Blockade erlebbar. Man muss also nicht im Detail wissen, was damals passiert war, denn die heute auftretenden starken Emotionen weisen den Weg.

Die Auflösung von Traumata ist rein theoretisch auch allein möglich, aber in der geschützten Atmosphäre einer Therapie ist es erfahrungsgemäß sehr viel einfacher. Die Feinstofftherapie ist eine sehr sanfte Methode, meistens fühlt man sich nach wenigen Terminen besser. Man ist wieder mehr in seiner Mitte.

 

 

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